Das wird die treue Gemeinde nur teilweise erfreuen. Apple hat neue Updates für iPhone, iPad und iPod touch veröffentlicht. Für iPhone- und iPod touch-Besitzer über iTunes unter der Software iOS 4.0.2, iPad-User installiert Version iOS 3.2.2. Diese sind eilig wegen einer kritischen Sicherheitslücke im System gefertigt worden. Diese besagte Lücke hatte bekanntlich die Größe eines weitgeöffneten Scheunentores und bot Websites bis zum PDF eine luxuriöse Auswahl an Attacken.
Allerdings waren es nicht nur Hacker, die Freude an dem ungewohnt offenen Zugang auf iGeräten hatten. Denn der bisher simpelste Jailbreak per bestimmter Webseiten entsperrte die Teile und bot damit auch ungeübten Usern bequeme Möglichkeiten. No more Mr. Open guy!
Der Update macht auch bei entsperrten Geräten den Jailbreak rückgängig, dafür natürlich auch wieder sicher. Zumindest an diesem Punkt.
Im Herbst laufen in den USA die aktuellen Exklusiv-Verträge von Apple für das aktuelle iPhone 4 für die wenigen, ausgewählten Mobilfunkpartner aus. So wird dann nicht mehr nur der Platzhirsch AT&T sondern auch sein Hauptkonkurrent Verizon die Vertriebsrechte erhalten. Dementsprechend bewegt sich auch am europäischen Markt die Szene und einige Absurditäten unter den Netzbetreibern in verschiedenen Ländern könnten bald ein Ende finden. Siehe dass Drei in Italien mit dem schicken Teil aus Cupertino Geschäft machen darf, in Österreich allerdings nicht. So wittert auch der heimische Marktführer A1 seine Chance mit dem Kulthandy, das derzeit noch ausschließlich bei T-Mobile und Orange erhältlich ist. Bei A1 rechnet man – nach den technischen Adaptionen – mit einem Verkaufsstart vor Weihnachten.
Apple kann das im Endeffekt nur recht sein, denn somit kommt dank verbreiterter Verkaufszahlen der nächste Push für den gewinnträchtigen App-Store. Immerhin dürften die explosive Entwicklung der Android-Handys samt den unerwartet massiven Problemen mit dem iPhone 4 auch bei Meister Steve und seinen Adlaten – samt Ablösung des Entwicklungs-Chefs – zu einem Umdenken geführt haben. Zwar gewährt man hierzulande nicht die kostenlose Zugabe des Bumpers wegen der Antennen-Probleme. Aber das auf lange Sicht noch größere Problem der wenig alltagstauglichen Glasummantelung wird schon bald entschärft. So soll schon mit der nächsten Trance die Rückseite wieder – wie gewohnt – aus Metall gefertigt sein. Offiziell, um den Antennenempfang zu verstärken. Hinter vorgehaltener Hand um den nächsten Massenklagen wegen der grassierenden Haarrisse zu entkommen. Auch eine Form von Bestätigung der haltlosen Dementis der letzten Zeit. Immerhin.
I stand up for my right,
I wanna smoke my pipe,
world would be a paradise,
legalize it, legalize!
Rasta Disasta Raggae – Erste Allgemeine Verunsicherung
Schon 1981 sangen die Barden aus der Steiermark um die Freiheit ihrer Freuden. Zweifelsohne noch mit einer anderen Zielrichtung, aber wäre Klaus Eberhartinger ein heutiger Techno-Nerd, hätte er wohl auch um seine Freiheit an der technischen Gerätschaft gesungen. Das hat nun nach jahrelanger Weigerung der Konzern Apple zu spüren bekommen. Im Rahmen einer „Anpassung der Urheberrechts-Gesetze“ hat das US Copyright Office ausnahmsweise mal für den Verbraucher entschieden und die Illegalität des Jailbreak am iPhone und Konsorten aufgehoben. Diese Behörde der USA überprüft alle vier Jahre die Sinnhaftigkeit von Bedingungen nach aktuellen Bedingungen.
Das bedeutet Freude für die Besitzer von Geräten aus Cupertino, die bisher unter Verlust jeglicher Gewährleistung die Software-Sperre ihres feschen Teiles umgingen. Ein starkes Argument etwas war die Widersprüchlichkeit, dass man legal erworbene Software wie „Google Voice“ auf einem ebenso legal erworbenen iPhone nicht installieren kann – ein klarer Eingriff in die Selbstbestimmung des Nutzers. Was nur bisher eben nicht so vom Hersteller gesehen wurde. Ebenso schwerwiegend war die eigene Aussage von Apple, dass man durch legale Jailbreaks keine Einbussen bei den Verkäufen des iPhones erwartet. Für einige Netzbetreiber kam noch die frohe Botschaft „legal SIM-Unlock“ des Copyright Office hinzu. Nämlich dass man keine Beanstandung bei modifizierten Telefonen hat, wenn diese dadurch in einem anderen Netz – in den USA ebenso exklusive Deals – verwendet werden. Apple beeilte sich festzustellen, dass man dem ungeachtet weiterhin bei Jailbreak automatisch mit Verlust der Garantie ahnden wird. Was rechtlich schwer zu halten sein wird und weitere Negativpresse mit sich bringen wird.
Damit scheint klar, dass sich spätestens mit der nächsten Generation aus Cupertino Einiges in der Strategie des Selling verändern wird.
Apple hat wieder einmal eine der berüchtigt kurzfristigen Pressekonferenzen einberufen. Diesmal jedoch sind die Sterne vorab nicht ganz so hell leuchtend. Es dürfte sich nicht um „bahnbrechende“ Präsentationen wie etwa die Videotelefonie beim iPhone 4 handeln. Vielmehr stehen sie Zeichen auf ausgewachsenes Krisenmanagement.
Das mit viel Jubel eingeläutete Zeitalter des iPhone 4 holpert wie die nicht proper aufgezogene, dafür reich verzierte Pendeluhr im Wohnzimmer. Und die Predoille reitet den Aktienkurs des Konzerns unter die ungewohnte Marke von 250 Dollar. Cupertino hat die massiven Empfangschwierigkeiten beim neuen iPhone samt Negativpresse schon im frühen Entwicklungsstadium simpel unterschätzt, Forderungen nach kostenlosen Schutzhüllen brüsk abgewiesen und damit die Auswirkungen der Tatsachen per üblichem Hype überblenden wollen. Das iPhone OS 4.1-Betriebssystem Update gilt als getestet und löst das Problem ebenso nicht.
Ein Manager im oberen Rang – Chief Operating Officer Kevin Turner – frohlockte schon mit sarkastischer Selbstgeißelung: „Es schaut so aus, als ob das iPhone 4 ihr Vista ist, aber das ist okay für mich. Man kann mit einem Windows Phone 7, ohne sich darüber Sorgen zu machen, wie man es halten muss, telefonieren. Wir sind wieder im Spiel!” Apple hat bisher nur „Vermeiden Sie, das Gerät auf diese Weise zu halten” als Replik. Und wir sind gespannt like fuck, was nun die Verlautbarung sein wird.
Der geübte Nerd leidet ja offensichtlich gerne. Anschaulich am iPhone zu erkennen, wenn busy Menschen in der Mitte des Arbeitstages unruhig nach einer Ladestation suchen. Und sowieso die erstaunlich schwache Empfangsleistung in Kauf nehmen. Obwohl Erreichbarkeit im Job eigentlich obligat wäre.
Interessant wird es nun beim iPhone 4, das ja wie üblich besser, stärker, schneller, kleiner und überhaupt ist. Neben den vielen Vorzügen – topmodern nun mit der frischen Erfindung der Videotelefonie – macht sich ein erstes Problem bemerkbar. In der üblichen Handhaltung des Users sinkt die Empfangsleistung dramatisch. Dies steht im Zusammenhang mit der metallischen Umrandung des formschönen Teiles. Abhilfe ist schon in Greifweite: einfach mal wieder eines der Silikon-Kondome überziehen und schon ist man wieder empfangsbereit. Passend wird das Teil von Apple selbst angeboten. Erstaunlich, diese toppmodernen Cupertino-Workarounds.