G1: Alltagsgeschichten
von martin | 22. Januar 2009 Android G1 T-Mobile test
Nachdem ich nun doch schon einige Zeit mit dem T-Mobile G1 verbracht habe, wird es Zeit für ein erstes Resumeé, haben sich doch inzwischen im Alltag – wie bei wohl jedem Gerät – erste Stärken, Schwächen und auch ausgeprägte Macken gezeigt. Mehr dazu nach dem Jump.
The Good
Wie ich schon in einem früheren Beitrag erwähnt habe, sticht gleich zu Beginn die sorgfältige Lokalisierung des Geräts ins Auge. Alle relevanten Punkte sind in Deutsch gehalten und – keine Selbstverständlichkeit bei meinem US G1 – auch inhaltlich schlüssig. Hier hat sich jemand bei T-Mobile ordentlich Mühe gegeben, so dass die Benutzung auf Anhieb gelingt.
Auch das initiale Setup nach dem ersten Einschalten gestaltet sich recht übersichtlich – man muss einen neuen Google Account anlegen bzw. einen bestehenden mit dem Gerät verknüpfen, damit die mobile Nutzung von GMail etc. möglich wird. Übrigens ist es kein Problem, ein und denselben Account parallel auf zwei G1 zu benutzen (umgekehrt aber ein großes, dasselbe mit zwei Accounts auf einem Handy zu tun – siehe “The Bad”).
Hat man das mal erledigt, präsentiert sich der wohl schon hinlänglich bekannte Android Default Screen mit den Default Shortcuts (Telefon, Kontakte, Browser, Maps). Neue Shortcuts kann man, recht intuitiv, einfach durch längeres Drücken auf eine leere Stelle auf dem Screen anlegen. Weiters zeigt der Screen am oberen Ende eine “Notification Bar”, die allerlei Infos über Empfangs- und Akkustatus, versäumte Anrufe, eingegangene Nachrichten oder aktive Datenverbindungen anzeigt. Für passionierte iPhone User wie mich, die Popups für versäumte Anrufe und SMS gewohnt sind, mag diese Form der Statusanzeige zwar auf den ersten Blick etwas unterdimensioniert wirken, a) gewöhnt man sich daran aber recht schnell und b) lässt sich mit einer Applikation aus dem Market (SMS Popup) dieses Manko einfach beheben.
Ebenso irritierend wirkt zu Beginn die Kombination aus Touchscreen Bedienung und den unter dem Screen befindlichen fünf Funktionstasten, im Alltag erweist sich selbige aber als durchaus stimmig – vor allem den Back- und den Home-Button möchte man schnell nicht mehr wissen (letzterer ist übrigens in der Android Cupcake Branch mit keiner Funktion belegt, was die Praktikabilität des Buttons aber erst recht unterstreicht – einer meiner Hauptkritikpunkte an Cupcake!).
In weiterer Folge entpuppt sich das G1 als durchaus solider Begleiter im Alltag, auch wenn noch zahlreiche Ecken und Kanten zu spüren sind. Telefonieren klappt einwandfrei, die Empfangsqualität kann sich dabei eigentlich auch sehen lassen (davon ist man als iPhone User ja dann wirklich nicht verwöhnt), die Kontaktverwaltung spielt auch mit (inkl. SIM Kontakten, hurra!) und auch als Internet-Device kann das G1 durchaus erfreuen: der Browser rendert schön und Emails machen dank ganz ordentlichem Client sowie der guten Tastatur des G1 auch Spaß (wobei sich hier, siehe “The Bad”, auch schon erste Kanten zeigen: warum um alles in der Welt kann ich a) nur einen GMail Account über die GMail App bedienen, und warum muss ich für andere Accounts eine getrennte Email Applikation benutzen? Das ist irgendwie unpraktisch).
So weit, so gut – Überlegungen und Erlebnisse zu und mit den restlichen Funktionen und Programmen des G1 folgen in einem späteren Posting.
The Bad
Wie schon eingangs erwähnt, hat das G1 auch durchaus ausgeprägte Macken, und der eine oder andere Bereich bedarf dringend einiger Updates und Nachbesserungen, um ein wirklich massentaugliches Smartphone zu schaffen.
Dies umfasst für mich zunächst das GUI an sich, dass zwar aufgeräumt wirkt und auch durchaus nett mit Shortcuts belegt und bedient werden kann, das mir sonst aber etwas zu wenig aussagekräftig ist. Die kleinen Icons in der Notification Bar habe ich vor allem zu Beginn des Tests oft übersehen und so eingegangene Anrufe und SMS übersehen. Hier sei noch einmal auf die praktische “SMS Popup” Applikation hingewiesen, die im Android Market kostenlos verfügbar ist.
Der nächste, ebenfalls schon angeschnittene Kritikpunkt betrifft die Restriktionen betreffend die Verwendung von mehreren GMail Accounts auf einem G1. Es gibt zwar eine eigene Email Applikation, die mehrere Accounts handlen kann, der Menüpunkt GMail umfasst aber immer genau einen Account. Mir ist klar, dass das mit der gewollten Anbindung der Google Apps an sich zusammenhängt (Kalender etc.), finde es aber trotzdem zumindest verwirrend, zwei Applikationen zum Verwalten meiner Nachrichten zu brauchen.
Beim Versuch, derartige Probleme zu lösen, ist mir übrigens einmal mehr die etwas rudimentäre Anleitung ins Auge gestochen. Es liegt dem Handy zwar eine CD mit PDFs bei, diese sind aber nicht der Weisheit letzter Schluss (das hat mich auch beim iPhone schon gestört, wo diese Lücke ja inzwischen durch 3rd Party Bücher geschlossen wurde, aber eigentlich sollte gerade bei einem relativ komplexen Handy wie dem G1 ein umfangreiches Manual Standard sein. Klar findet man sich auch so zurecht, aber gerade weniger technikaffine Zeitgenossen können so mitunter etwas ins Strudeln geraten.
Hat man sich dann mal mit den Bordmitteln des G1 angefreundet, steht natürlich ein Besuch im Google Market an, der sozusagen Googles Pendant zum iTunes App Store bildet. Hier fällt auf, dass die Anzahl der angebotenen Applikationen sowie deren Qualität noch weit unter jener im App Store liegt, was sicherlich zum einen an der deutlich kürzeren Verfügbarkeit des G1 liegt, zum anderen wohl aber auch an der Tatsache, dass die Unterstützung für kostenpflichtige Applikationen im Google Market noch bevorsteht, was für viele Entwickler sicherlich eine Hemmschwelle darstellt (andererseits sollte das Entwicklerheer bedingt durch den Open Source Ansatz eigentlich größer und weniger kommerziell orientiert sein als beim iPhone). Dieses Manko wird sich sicher in absehbarer Zeit ändern, noch ist die Anzahl an brauchbaren Programmen im Market aber recht überschaubar – eine Übersicht der “Must have” Applikationen werde ich in den kommenden Tagen posten.
Zuguterletzt fällt beim Herumspielen mit dem G1 die – leider HTC typisch – relativ leistungsschwache Kamera auf. Gerade in Zeiten von 5 Megapixel Handys mit Xenon Blitz sollte hier schon etwas nachbessert werden. Nett ist hingegen die Idee, durch einen seitlich angebrachten Auslöseknopf das Feeling “echter Kameras” zu vermitteln – etwas, das z.B. auch Sony ja schon länger bei vielen Handsets macht. Beim anschließenden Betrachten der Bilder fällt mir übrigens auch zum ersten Mal der fehlende Multitouch Support negativ auf – zoomen mittels Gestures ist schon netter als das wiederholte Drücken eines Zoom-Buttons. Die Kamera ist aber sicher nicht die Core USP des G1, insofern kann ich mit dem Gebotenen gut leben.
The Ugly
Weniger gut leben kann ich aber mit den Punkten, die mich so stören, dass sie fast ein No Go für die derzeitige Gerätegeneration darstellen – auch wenn es zum Glück nicht allzuviele sind.
Da wäre zunächst einmal die überraschend schlechte Verarbeitung des Gehäuses. Während Keyboard und Trackball gewohnte HTC Qualität bieten, fühlt sich das Gehäuse trotz des ansehnlichen Finishings irgendwie filigran an, und bei meinem Testgerät ist schon beim Auspacken ein offenbar auf Ungenauigkeiten bei der Fertigung zurückzuführender Spalt über dem Kameraauslöser zu sehen (siehe Foto weiter unten). Ob das der Lebensdauer des G1 gut tut, sei dahingestellt.
Nutzt man alle Features des G1 und hat somit WLAN und GPS aktiviert, fällt weiters die katastrophale Akkuleistung auf – 24 Stunden, um einen vollständig geladenen Akku zu entleeren, und zwar ohne ausufernde Gespräche oder Online-Sessions? Ein Ladekabel sollte also ständiger Begleiter geneigter G1 User sein.
Zuguterletzt ist natürlich anzumerken, dass das oft als “Open Source Handy” titulierte G1 nicht so offen ist, wie oft behauptet. Natürlich gibt es Bestrebungen, zu nah ans System gehende Hacks und Tweaks zu unterbinden, und natürlich arbeitet auch schon eine Armee findiger Devs am Aushebeln derselben. Hier muss man fairerweise aber anmerken, dass meiner Ansicht nach die gängige Praxis der Hardwaresubventionierung Mobilfunker beinahe dazu zwingt, Geräte mit SIM Lock auszuliefern, wenn sie einen konkurrenzfähigen Verkaufspreis haben sollen.
Bisheriges Fazit
Ja, was gibt es nach all diesen relativ unsortierten Anmerkungen und Überlegungen abschließend über das G1 zu sagen: mein Eindruck bisher ist deutlich besser als erwartet, und ich komme mit dem “heimischen” G1 interessanterweise deutlich besser zurecht als anfangs mit meinem US-Import. Ob das an der schon erfolgten Gewöhnung liegt, oder ob aktuelle Firmware-Versionen wirklich so viele Kleinigkeiten verbessert haben, kann ich ad hoc gar nicht beurteilen, Fakt bleibt aber, dass mir das G1 Spaß macht. Wird noch die eine oder andere Sache verbessert – und wer sich einen aktuellen Snapshot des Cupcake/Android Entwicklungsstandes anschaut, sieht, dass da einiges am Kochen ist – könnte das G1 durchaus zum massentauglichen Smartphone werden. Noch ist aber eine Priese Abenteuerlust und Technologieverliebtheit nötig, um mit dem Handy klaglos durch den Alltag zu kommen.



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